APPEL von Ramallah
mit der Bitte um Verteilung
Sonntag, 31. März 2002
An Euch alle,
ich bin die Direktorin des Kulturzentrums Kahlil Sakakini von Ramallah
(http://www.sakakini.org)
Während ich hier in Ramallah eingeschlossen bin, schicke ich diese Aussage an Journalisten, Freunde und andere Menschen, um sie darum zu bitten, diese Nachricht weiterzuleiten.
Ich hoffe, dass er nicht eine Flut von e-mails hervorruft, die Frömmigkeit, Gebete oder Gaben zur Folge haben, sondern eher Taten. Wir leisten unseren Beitrag durch unseren Widerstand und wir bitten die Welt, ihren Teil beizutragen im Namen der Menschheit, zu der wir alle gehören. Wir wollen nicht die Rothäute der arabischen Welt werden, wir wollen ganz einfach auf dieser Welt frei, in Frieden und Würde leben.
Ich beginne mit einem kurzen Überblick über die Situation hier und ich stelle Euch
9 Vorschläge davon vor, was wir gerne in den Medien und in der Welt verwirklicht sehen würden.
Heute abend haben wir gehört, dass israelische Soldaten kaltblütig 30 palästinensische Polizisten in einem Gebäude der Straße Irssal von Ramallah erschossen haben, wohin diese sich geflüchtet hatten. Das erfolgte nach der Exekution von 5 palästinensischen Polizisten, die durch einen Kopfschuss getötet worden waren und deren Körper auf die Straße geworfen wurden und dort am Freitag stundenlang lagen. Den Krankenwagen wurde die Zufahrt versperrt und die Israelis sind gewaltsam in ein Krankenhaus (Arabcare) eingedrungen und haben auf eine weiteres geschossen (Nazer Maternity Hospital). Wenn das so weitergeht, wird das ein weiteres Tschetschenien oder ein weiteres Sarajevo werden.
Was mich betrifft, bin ich seit Freitag früh hier zuhause eingeschlossen wie auch Zehntausende Einwohner von Ramallah und El-Bireh, ohne die Möglichkeit, dass das bald aufhört. Einen Tag lang haben wir keinen Strom gehabt, aber dank Gott funktioniert er seit heute wieder.
Die israelische Armee ist gestern in das Dorf (Kobar) eingedrungen, wo einer unserer Angestellten vom Centre Sakakini wohnt. Die Armee hat deren Habseligkeiten zerstört und den jüngsten Bruder zusammen mit 30 anderen Jugendlichen des Dorfes festgenommen. Die Putzfrau unseres Zentrums lebt in einem Haus mit Außentoiletten. Drei Tage lang haben sich die Israelis vor ihre Tür gestellt und sie daran gehindert, aus dem Haus zu gehen. Als der Älteste der Familie sich nach draußen geschlichen hat, um auf die Außentoiletten zu gehen, haben sie ihn ergriffen und geschlagen. Sein Vater, ein Lehrer, hat versucht, dazwischzutreten, die Israelis haben ihn geschlagen und verhaftet.
Eines der Vorstandsmitglieder unseres Zentrums wurde mit allen Angestellten des Bürogebäudes verhaftet, wo er Donnerstag spätabends arbeitete. Alle hatten verbundene Augen und Handschellen, man hat sie 16 Stunden lang in ein Zimmer gesperrt. Die Israelis haben Büromaterial zerstört und die Festplatten der Computer gestohlen. Die Gefangenen haben sich alle befreit, als sie merkten, das die Israelis sich auf die Suche nach einer interessanteren Beute davongemacht hatten... Mein Schwager, seine Frau und ihre 3 Kinder, die unter 10 Jahre alt sind, haben seit Freitag weder Telefone noch Strom und können nicht woanders hingehen, weil man sie beschossen hat. Der Vater meiner Nachbarin ist 70 und wohnt nah bei den Büros von Arafat. Die Israelis sind am Freitag bei ihm eingebrochen, und haben alles mit Gewehrhieben zertrümmert (Fernseher, Spülbecken, Möbel etc.), dann haben sie Geld gestohlen. Es heißt auch, dass die israelischen Soldaten in Banken eingedrungen sind, in Wechselstuben und Juwelierläden und dass sie Geld und Schmuck gestohlen haben.
In El Bireh habe sie am Samstag 150 Männer von 16 bis 45 Jahren verhaftet, nachdem sie ihnen den Befehl gegeben haben, nach draußen zu gehen und haben sie in der Stadt von Ramallah zusammengeführt.
Die einzige lokale private Fernsehstation (Watan TV), die uns stündlich Nachrichten brachte, wurde am Freitag von den Israelis beschlagnahmt, die seitdem pornographische Filme senden. Die Journalisten mussten heute Ramallah verlassen. Im folgenden finden Sie die neuen Vorschläge und teils bescheidene, teils utopische Bitten:
1 - Es handelt sich um eine lange Besatzung, bitte übt beständig Druck aus, erzählt unsere Berichte und appelliert für beständige Aktionen.
2 - Verwaltungs- und Finanzdirektorin des Zentrums, Frau Manual Isst hat fast 10 Aussagen von Kindern aus ihrer Umgebung über ihre Lebensbedingungen unter der Besatzung gesammelt. Diese Augenzeugenberichte können unter issamanal@yahoo.com aufgerufen werden. (Ich werde sie morgen ins Englische übersetzen etc.)
3 - Bitte übt Druck auf die internationale Gemeinschaft aus und auf die Entscheidungsträger, um die Besatzung aufzuheben, deren Opfer wir sind. Wir brauchen Hunderte von Briefen an das Weiße Haus:
president@whitehaouse.gov und vice.president@whitehouse.gov
4 - Wenn Sie das nicht machen wollen, schreiben Sie bitte an die großen amerikanischen Zeitschriften wegen der Besatzung.
5 - Wir brauchen tägliche Demonstrationen vor den israelischen Botschaften.
6 - Wir brauchen Appelle von arabischen Künstlern von Westeuropa, damit sie Konzerte geben, demonstrieren und Appelle an die Entscheidungsträger richten, damit die Besatzung aufgehoben wird.
7 - Wir brauchen Künstler aus Westeuropa, die handeln und Aktionen zur Aufhebung der Besatzung machen.
8 - Wenn Sie Öffentlichkeitsarbeit machen, widmen uns Sie bitte einen Artikel in einer Tageszeitung, machen Sie Interviews mit Zeugen der Unterdrückung oder der Besatzung, verbreiten Sie Augenzeugenberichte von Kindern und Informationen, die aus den Krankenhäusern kommen.
9 - Über den schrecklichen Zustand des sanitären Bereichs können Sie Informationen erhalten durch einen Anruf beim Krankenhaus in Ramallah, um mit Herrn Dr. Atari (Direktor) oder mit dem Vize-Gesundheitsminister (Dr. Munther Sharif) unter der Telefonnummer
(972 2) 298 2220 sprechen.
10 - Machen Sie uns Vorschläge, wie wir handeln sollen und sagen Sie uns, was Sie brauchen, um uns besser zu helfen. Dank an Muharraq Club, an den TV Bahrein